Immer mehr Deutsche dopen am Arbeitsplatz
18. Februar 2010 von Riedel
Im Sport ist es leider schön länger gang und gebe, mit unerlaubten Mitteln die Leistung zu verbessern. Aber auch am Arbeitsplatz steigt die Zahl der Menschen, die sich mit Pharmazeutika dopen. Laut einer Umfrage der DAK greifen 5 Prozent aller Arbeitnehmer unnötigerweise auf Medikamente zurück, ohne Rücksicht auf die eigene Gesundheit.
Betablocker statt Steroiden
Statt EPO oder Steroiden greifen die Berufstätigen zu Betablockern, Methylphenidat oder Modafinil. Mit diesen Pharmaka wollen sie Stress unterdrücken, die Aufmerksamkeit verbessern oder auf den Punkt geistig top fit sein. Dabei wächst die Zahl derer, die auch ohne ärztliches Anraten zu den Medikamenten greifen.
Zwei Prozent dopen regelmäßig
In den USA hat man bereits schon länger festgestellt, dass es bei der arbeitenden Bevölkerung den Trend gibt, auf Gehirndoping zurück zu greifen. In Deutschland gab es bisher nur wenige Daten, die ein ähnliches Verhalten nachweisen könnten. Doch eine aktuelle Umfrage der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK) könnte das ändern. Denn bei einer Anfang des Jahres durchgeführten Umfrage gaben von den 3.000 Befragten zwischen 20 und 50 Jahren rund 5 Prozent an, ohne medizinische Notwendigkeit schon einmal zu leistungssteigernden oder stimmungsaufhellenden Mitteln gegriffen zu haben. Zwei Prozent dopen sogar regelmäßig.
Geschlechtliche Unterschiede
Laut DAK greifen Männer eher zu Aufputschmitteln, Frauen hingegen nehmen lieber Sedativa, also Schlafmittel. Wenn man nun die Daten der DAK-Umfrage auf die Gesamtbevölkerung hochrechnet, kommt man zu dem Ergebnis, dass rund 2 Millionen Bundesbürger schon einmal gedopt haben und 800.000 Menschen regelmäßig auf stimulierende Medikamente zurückgreifen. Besorgniserregend ist dabei, dass 20 Prozent der Befragten das gesundheitliche Risiko durch die Medikamente im Vergleich zur beruflichen Leistungsfähigkeit für vertretbar halten.
Dopende Wissenschaftler
Auch Wissenschaftler bilden von dem Trend keine Ausnahme. Laut einer Online-Umfrage der Fachzeitschrift “Nature” (452, 2008, 674) ist Gehirndoping unter Wissenschaftlern sehr beliebt. Rund 20 Prozent der 1.400 teilnehmenden Forscher aus 60 Ländern gab an, regelmäßig auf Medikamente zurück zu greifen. Besonders beliebt waren dabei Methylphenidat (Konzentrationssteigerung), Modafinil (gegen Jetlag, soll auf den Punkt geistig top fit machen) und Betablocker (gegen Angst).
Nebenwirkungen
Dabei sollten die Wissenschaftler es eigentlich besser wissen. Denn im Gegenzug zu dem Nutzen, traten häufig Nebenwirkungen auf, die auch die geistige Leistungsstärke beeinflussen. So berichteten die Befragten von Kopfschmerzen, Angstzuständen und Schlaflosigkeit. Auch körperliche Schäden sind durch unnötige Medikation nicht auszuschließen. Zu diesen zählen Herzrhythmusstörungen, Hautreaktionen und sogar Psychosen. Drohende Langzeitschäden (z.B. Leber, Herz) sind noch nicht hinreichend untersucht.
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