Präsentismus: wenn man krank zur Arbeit geht
16. September 2009 von Riedel
Krank zu sein ist für viele Arbeitnehmer und Selbständige kein Grund, nicht zur Arbeit zu gehen. Das belegt der aktuelle Gesundheitsmonitor der Bertelsmann-Stiftung. Doch wirklich gesund ist das nicht.
Jeder zweite geht krank zur Arbeit
Egal ob gesund oder krank, an seinen Arbeitsplatz gehen viele Deutsche trotzdem. Das ist das Ergebnis des aktuellen Gesundheitsmonitors der Bertelsmann-Stiftung. Rund 42 Prozent der befragten Angestellten und Selbständigen gaben an, im letzten Jahr mindestens zweimal krank an den Arbeitsplatz gegangen zu sein.
Der Präsentismus
Im Fachjargon nennt sich dieses Phänomen „Präsentismus“. Dabei gehen die Arbeitnehmer aus Pflichtbewusstsein oder aus Angst, dass Arbeit liegen bleibt, trotz Erkrankung an den Arbeitsplatz.
3 Gründe gegen den Präsentismus
Doch wirklich sinnvoll ist das nicht. Dafür gibt es gute Gründe. Denn zum einen arbeitet man sehr unkonzentriert, wenn der Körper beeinträchtigt ist. Darunter leidet auch die Qualität der Arbeit. Zum zweiten steckt man leicht die Arbeitskollegen an. Und zum dritten dauert der Heilungsverlauf deutlich länger, wenn man dem Körper bei einer Krankheit nicht die benötigte Erholung gönnt.
Singels gehen eher arbeiten
Davon unbeeindruckt gehen viele Menschen dennoch zur Arbeit. Besonders Alleinstehende gehen zum Job, obwohl sie krank sind. Mehr als drei Viertel der Singles (78 Prozent) gaben an, trotz gesundheitlicher Einschränkung ihren Job zu erledigen. Bei den Paaren und Familien waren es nur 69 Prozent. Ein Grund könnte sein, dass die Alleinstehenden ihre Krankheit eher verleugnen.
Wer übrigens denkt, dass Selbständige weniger Rücksicht auf die Gesundheit legen, der irrt sich. Eher ist das Gegenteil der Fall. Der Anteil der Angestellten (74 Prozent) ist deutlich höher als der der Selbstständigen (52 Prozent).
Ein netter Chef
Ob man krank an den Arbeitsplatz geht, hängt stark mit den Kollegen und dem Chef zusammen. Ein nettes Umfeld und ein verständnisvoller Vorgesetzter führen zu einem verantwortungsvollen Umgang mit einer Erkrankung, da man sich nicht unter Druck gesetzt fühlt. Dadurch kann man schneller genesen und ist früher wieder einsatzfähig. Das kann auch ein Grund sein, warum Selbständige eher auf ihren Organismus hören. Denn der finanzielle Ausfall ist umso größer, je mehr Tage man nicht voll einsatzfähig ist. Und das passiert, wenn man dem Körper im Krankheitsfall keine Auszeit gönnt.
Da die Kosten für den Präsentismus deutlich höher sind aus die für eine Krankmeldung, tut man weder sich noch seinem Betrieb einen Gefallen, wenn man krank zur Arbeit geht.
Foto: zwillingsbruder p auf pixelio.de






