Gesunde Bakterien - Was heißt eigentlich probiotisch
2. Februar 2010 von Riedel
Verschiedene Joghurt- Hersteller machen mit ihren angeblich gesunden, probiotischen Produkten großen Gewinn. Die gesündere Joghurt Variante soll nicht nur gut schmecken, sondern vor allem das Immunsystem stärken und die Darmflora unterstützen. Aber was heißt probiotisch überhaupt und halten die Produkte, was die Werbung verspricht?
Fromme Wünsche
Wenn es draußen regnet und schneit sieht man häufig Fernsehwerbungen, in denen sich Prominente genussvoll einen besonderen Joghurt essen, um die körpereigenen Abwehrkräfte zu stärken. Die darin enthaltenen probitoischen Bakterien sollen einen positiven Effekt auf das Immunsystem haben und die Darmflora verbessern. Doch wie bei so Vielem ist das auch nur ein frommer Wunsch.
Was heißt probiotisch
„Als probiotisch (pro Bios = griech. „für das Leben“) bezeichnet man bestimmte, künstlich Hergestellte Mikroorganismen, die mehrere positive Eigenschaften haben sollen“, erklärt Dipl. Oekotrophologin Simone Overzier. „Die Mikroorganismen in den probiotischen Lebensmitteln sollen sich im Darm ansiedeln und dort den heimischen Bakterien bei der Verdauung helfen. Zudem sollen sie das Immunsystem stärken.“
Kritik an probiotischen Lebensmitteln
„Sollen“ heißt das Stichwort. Denn es gibt sehr viel Kritik an den probiotischen Lebensmitteln. Es gibt nämlich noch keine Studie, die einen besonderen positiven Einfluss der probiotischen Nahrungsmittel – neben Joghurts gibt es bereits probiotischen Käse, Quark oder Wurst – auf das Immunsystem oder die Darmflora nachweisen konnte.
Prominente Ernährungsirrtümer
Eher ist das Gegenteil der Fall, wie auch die Ernährungswissenschaftler Udo Pollmer und Susanne Warmuth in ihrem Buch „Lexikon der populären Ernährungsirrtümer“ berichten. Laut Pollmer/Warmuth gibt es in der Darmflora bereits eine riesige Anzahl von Mirkoorganismen. Fremde Organismen können sich dort nicht ansiedeln, sondern werden in der Regel von den heimischen Bakterien wirkungsvoll bekämpft.
Fremde Bakterien schaden eher
Gelingt es den fremden Bakterien aus den probiotischen Lebensmitteln dennoch, sich im Dam niederzulassen, schaden sie mehr als dass sie nützlich sind. Wenn die fremden Bakterien einen Teil der heimischen Darmflora verdrängen, führte das häufig zu gesundheitlichen Problemen. Zumal die Bakterien durch den Darm auch in den Kreislauf und so zu anderen Organen gelangen können, wo sie in den Schleimhäuten Entzündungen verursachen können.
Der goldene Windbeutel
Auch die Verbraucherschützerorganisation „Foodwatch“ zweifelt an der Wirksamkeit der probiotischen Nahrungsmittel und verlieh Danone 2009 den „goldenen Windbeutel“ für irreführende Werbung. Zwar konnten einige positive Effekte des probiotischen Joghurts „Actimel“ nachgewiesen werden, allerdings hatte laut „Foodwatch“ auch ganz normaler Joghurt dieselbe Wirkung. Dafür kostet der normale Joghurt ein Bruchteil von „Actimel“. In Großbritannien musste Danone eine Werbekampagne für Actimel sogar zurückziehen und laut Foodwatch bereitet eine Anwaltskanzlei in den USA eine Sammelklage gegen Danone vor.
Darm und Immunabwehr
„Der Darm spielt bei der Immunabwehr eine große Rolle“, sagt Simone Overzier. „Allerdings kann man auch mit Sauerkraut, Kefir oder normalem Joghurt die Darmflora positiv beeinflussen.“ Bei den probiotischen Joghurts besteht zudem das Problem, dass noch eine größere Menge Zucker zugesetzt ist.
Woher stammen probiotische Bakterien?
Nur eine Randnotiz scheint da die Herkunft der probiotischen Bakterien zu sein. Laut Pollmer/Warmuth entstammen die Bakterien nicht aus der Milch, wie man annehmen könnte, sondern haben gar keine tierische Herkunft. Stattdessen werden sie wohl aus menschlichen Fäkalien und Vaginalsekret isoliert und dann weitergezüchtet. Wem´s schmeckt…
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