Salz und Blutdruck: Gefahr oder Mythos
14. Mai 2010 von Riedel
Ob Salz den Blutdruck erhöht oder nicht, ist ein viel diskutiertes Thema. Einige Studien wollen dies belegt haben, andere verneinen dies und sprechen Salz vom Vorwurf frei, schlecht für das Herz zu sein. Es ist Zeit, mit einigen Mythen aufzuräumen.
Salz und Blutdruck ist ein Thema voller Missverständnisse. Schon viele Wissenschaftler haben sich mit der Thematik auseinandergesetzt und ihre Studien haben teils widersprüchliche Aussagen. Das Gerücht, dass Salz den Blutdruck erhöht, ist alt.
Salz und Bluthochdruck – ein Mythos
Es gibt zwei (eher zweifelhafte) Studien, die nachgewiesen haben wollen, dass Salz den Blutdruck erhöht. Ein Wissenschaftler namens Lewis Dahl untersuchte bereits 1972, ob ein erhöhter Salzkonsum bei Ratten den Blutdruck erhöht. Und Dahl wurde fündig. Er konnte nachweisen, dass Salz den Blutdruck der Nager erhöhte und ging davon aus, dass das auch bei Menschen der Fall sein müsste.
Die Sache hatte nur einen Haken. Denn Dahl gab den Nagern so viel zusätzliches Salz, dass ein Mensch aufs Körpergewicht hochgerechnet rund 500 Gramm Kochsalz am Tag zu sich nehmen müsste, um einen ähnlichen Effekt zu erzielen. Diese Menge würde selbst dem stärksten Nachsalzer zu viel werden.
Die zweite Studie, die „Intersalt-Studie“, geht auf das Jahr 1988 zurück. Bei dieser groß angelegten Studie wurden weltweit 52 Volksgruppen analysiert. Die Forscher testeten nicht nur bei den Industrienationen, sondern auch bei Naturvölkern den Zusammenhang von Salz und Bluthochdruck. Da sie bei einem Naturvolk vom Amazonas, das kein Salz konsumierte, keinen Fall von hohem Blutdruck fanden, schlossen sie daraus, dass Salz schuld an der Hypertonie sei.
Warum Salz den Blutdruck erhöhen könnte
Es klingt eigentlich auch logisch, dass Salz den Blutdruck erhöht. Denn Salz bindet Wasser. Mehr Salz im Blut führt dazu, dass die Niere dem Blut weniger Wasser entziehen kann, da das Wasser ja schon durch das Salz gebunden ist. Da mehr Blut in den Adern ist, könnte ja auch der Blutdruck steigen.
Salz erhöht den Blutdruck doch nicht
Doch bei gesunden Menschen scheint Salz kaum Auswirkungen auf den Blutdruck zu haben. In den 1980er Jahren wurden mehrere groß angelegte Studien durchgeführt. Und keine konnte belegen, dass sich der Blutdruck durch zu viel Salz erhöht oder im Gegenzug, dass weniger Salz den Blutdruck von Hypertonikern senkt. Tatsächlich profitierte nur jeder sechste Patient mit einem zu hohen Blutdruck von einer salzarmen Diät. Blutdrucksenkende Medikamente hatten einen deutlich größeren Effekt.
Salzkonsum kann trotzdem gefährlich sein
Es gibt aber einen Grund, warum Salz gefährlich sein kann. Denn bei Patienten mit hohem Blutdruck kann das Kochsalz diesen weiter erhöhen. Im Gegenzug profitieren Hypertoniker, wenn sie ihren Salzkonsum verringern würden. Nur 3 Gramm Salz weniger am Tag könnten in den USA die Zahl der Herzinfarkte und Schlaganfälle um rund 100.000 und die daraus resultierenden Todesfälle um 50.000 pro Jahr verringern, wie eine aktuelle Studie der Universität von San Francisco ergeben hat.
Die Zahlen könnte man prozentual auch auf Deutschland hochrechnen. Hierzulande nehmen Männer rund 9 Gramm und Frauen rund 7 Gramm Salz täglich zu sich. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) rät dazu, nicht mehr als 6 Gramm Salz am Tag zu konsumieren.
Zu ähnlichen Ergebnissen kamen Mediziner um Jing Chen von der Tulane-Universität in New Orleans. Sie untersuchten den Einfluss von Salz bei 1.900 Menschen. Die Probanden bekamen eine Woche lang salzarme Kost und eine Woche salzreiches Essen. Dabei wurde regelmäßig der Blutdruck überprüft. Die Mediziner stellten fest, dass die 300 Probanden, die bereits mit einem hohen Blutdruck zu kämpfen hatten, auf das Salz im Essen reagierten. Bei wenig Salz sank der Druck, während er bei einer gesteigerten Zufuhr stieg. Für Menschen mit einem Risikofaktor für Herzinfarkt macht eine Salzreduktion also durchaus Sinn.
Foto: XeBrax auf pixelio.de






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