Warum wird ein Kater im Alter immer schlimmer
12. Februar 2010 von Riedel
Seit gestern sind in vielen Deutschen Städten wieder die Jecken unterwegs. Dabei wird von so manchem Karnevalist auch nicht wenig Alkohol getrunken. Doch von Jahr zu Jahr stellt man fest, dass der Kater am Morgen danach immer schlimmer wird. Ist das normal oder nur eine subjektive Empfindung?
Je oller, desto doller
Haben Sie das Gefühl, vor einigen Jahren die Bürointerne Karnevalsparty noch besser verkraftet zu haben? Und das, obwohl Sie in diesem Jahr gar nicht so viel getrunken haben? Wenn das der Fall ist, dann werden Sie von Ihrem Gefühl nicht getäuscht. Denn je älter wir werden, desto schlechter vertragen wir den Alkohol. Doch woran liegt das?
Besser gut als billig
Ein Fakt ist, dass billiger Alkohol einen größeren Kater verursacht, als es hochwertiger, teurer Alkohol tut. Aber daran kann es nicht liegen, dass der Kater schlimmer wird. Denn in der Regel trinkt man als Jugendlicher oder junger Erwachsener doch eher billigere Getränke als ein gut verdienender Arbeitnehmer. Feigenschnaps oder Wodkaverschnitte finden bei jüngeren Menschen eher Zuspruch als bei Erwachsenen ab dem 40. Lebensjahr. Dennoch wirkt der Alkohol bei einem 18- oder 20-Jährigen weniger nach als bei einem 40-Jährigen.
Man (und viele Wissenschaftler haben das bereits getan) kann sich also die (berechtigte) Frage stellen, warum Alkohol im Laufe der Jahre immer größere Nachwirkungen verursacht.
Sind Enzyme schuld?
Vielleicht lohnt sich ein Blick in die Biochemie. In der Leber wird Alkohol erst zu Acetaldehyd und weiter zu Essigsäure abgebaut. Im letzten Schritt entstehen daraus Wasser und Kohlendioxid. Für jeden Abbauprozess benötigt der Körper bestimmte Enzyme. Zunächst Alkoholdehydrogenase (ADH) und für den zweiten Abbauvorgang die Aldehyddehydrogenase(ALDH). Doch wie hilft uns das in der Frage nach dem Kater weiter?
Englische Alkohol-Theorie
Ein englischer Leberspezialist wollte neulich die gesteigerte Alkohol-Empfindlichkeit anhand der für den Abbau benötigten Enzyme erklären. Denn die ADH-Konzentration im Körper lässt nach. Der Forscher war fest davon überzeugt, dass diese nachlassende Konzentration auch der Grund für die Alkohol-Empfindlichkeit sei.
Doch so ganz stimmt das nicht, wie auch der Alkoholforscher Helmut Seitz von der Universität Heidelberg gegenüber der Apotheken-Umschau erklärte. Laut Prof. Seitz nehmen die Enzyme nach und nach ab. Aber da gerade der Acetaldehyd Kopfschmerzen verursacht und man weniger ADH besitzt, würde der Acetaldehyd langsamer entstehen und man bekäme weniger Kopfschmerzen. Die englische Theorie scheitert hier.
Keine Beweise
Möglicherweise liegt die Erklärung beim zweiten Enzym, dem ALDH. Es ist beispielsweise bekannt, dass viele Asiaten kaum ALDH besitzen. Daher wird Acetaldehyd langsamer abgebaut, was die vermehrten Kopfschmerzen erklären würde. Aber noch gibt es keine Beweise, dass diese Theorie stimmt.
Körper trocknet aus
Möglicherweise haben die Enzyme aber auch nur einen geringen Einfluss auf die Kater-Stärke und es gibt einen anderen Grund. Prof. Seitz glaubt an einen Zusammenhang zwischen dem Kater und dem Körperwasser, das ebenfalls mit den Jahren abnimmt. Ein Grund, warum man sich nach zu viel Alkohol so unwohl fühlt, ist dass Alkohol dem Körper Wasser entzieht und man neben einer leichten Vergiftung etwas ausgetrocknet ist. Mit 30 Jahren führt die gleiche Menge Alkohol zu einer niedrigeren Blut-Alkohol-Konzentration als bei einem 60-Jährigen. Doch ob diese Theorie stimmt, ist noch nicht gänzlich geklärt.
Letztendlich bleibt Alkohol ein Gift für den Körper, das man wenn überhaupt nur in kleinen Mengen konsumieren sollte. Und wer wenig trinkt, hat am Morgen danach auch höchstens nur einen kleinen Kater.
Foto: pixelmaster-x auf pixelio.de





