Zu dick zum Arbeiten
19. Dezember 2008 von Riedel
Viele Kinder und Jugendliche sind übergewichtig. Schuld sind falsche Ernährung und wenig Bewegung. Für jeden einzelnen ist das in erster Linie ein Problem für die Gesundheit. Aber auch das Berufsleben hat enorm unter dem Übergewicht zu leiden. Nach einer Studie der Deutschen Sporthochschule Köln mit fast 13.000 Teilnehmern haben viele Jugendliche beim Einstieg in das Berufsleben aufgrund der überflüssigen Kilos große Schwierigkeiten.
Zu dick für den Job
Bei der „Fit fürs Leben“ Studie der DSHS wurden die 16 bis 25 Jahre alten Teilnehmer befragt, untersucht und körperlich getestet. Das zentrale Ergebnis: mit 18 Jahren nehmen falsche Ernährung, Übergewicht, Rauchen und Bewegungsmangel noch einmal deutlich zu. Das macht die Betroffenen im Job weniger belastbar und weniger leistungsfähig.
Ungesund ab 18
„Die Untersuchungsbefunde zeigen erstmals, dass die ungünstigen Entwicklungen nach dem 18. Lebensjahr erheblich an Dynamik gewinnen“, so das Ergebnis der Forscher der Deutschen Sporthochschule. Die genauen Erkenntnisse geben Grund zur Sorge. Bei den Männern unter 25 ist jeder zweite zu dick, rund 60 Prozent rauchen und jeder Dritte treibt keinen Sport.
Frauen im Vorteil
Etwas besser sieht die Bilanz bei den weiblichen Testpersonen aus, bei denn rund ein Viertel übergewichtig ist. Allerdings sind nur rund 20 Prozent in einem Sportverein aktiv und die Zahl der Raucher liegt ebenfalls bei 60 Prozent.
Drei Viertel haben erhöhtes Herzinfarkt-Risiko
Wenn man die Ergebnisse zusammenfasst, ist von den 12.835 Probanden rund drei Viertel stark gefährdet, aufgrund ihres ungesunden Lebensstils eine Erkrankung des Herz-Kreislauf-Systems zu bekommen.
Problem ist gravierend
“Dieses Problem ist gravierend für die jungen Leute, die im Übergang zwischen Schule und Beruf stehen und damit in einer entscheidenden Phase ihres Lebens”, sagt Max Wunderlich vom Kölner Wissenschaftlerteam. Den Forschern fiel zudem auf, dass mit sinkendem Bildungsstand die Zahl der Problemfälle zunimmt.
Probleme für den Arbeitsmarkt
Was für Betroffenen ein persönliches, gesundheitliches Problem darstellt, kann sich auch auf dem Arbeitsmarkt negativ bemerkbar machen. „Betroffen sind Berufe, bei denen ein Mindestmaß an körperlicher Leistungsfähigkeit erforderlich ist, also vor allem handwerkliche Tätigkeiten“, so das Urteil der Sportwissenschaftler. Übergewicht, eine schlechte Ausdauer und eine ungenügende Koordination kann sich auch bei einigen Produktions-Berufen und beispielsweise bei der Polizei zu Nachwuchsproblemen führen. „Der aktuelle Fachkräftemangel nimmt zu, auf Firmen könnte eine erhöhte Ausfallquote und eine frühere Erwerbsunfähigkeit zukommen.“
Forscher fordern Gegenmaßnahmen
Als Reaktion auf die Studien-Ergebnisse fordern die kölner Forscher um Professor Dieter Leyk Wirtschaft und Politik auf, sich der Problematik zu stellen und Gegenmaßnahmen einzuleiten. Leyk hatte bereits mit einer Studie über dicke Bundeswehr-Bewerber und deren schlechte Fitness für Aufsehen gesorgt.
Kosten in Milliardenhöhe
Gerade bei den Betroffenen zwischen 16 und 25 Jahren können Gegenmaßnahmen einiges bewirken. Dadurch können auch die Kosten für das Gesundheitswesen gesenkt werden. Nach einer Schätzung verursacht ein ungesunder Lebenswandel mit Übergewicht, einer falschen Ernährung und zu wenig Bewegung jährliche Kosten in Milliardenhöhe. Denn neben Rückenschmerzen und Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems gibt es viele weitere Begleitkrankheiten wie beispielsweise Diabetes, Karies oder Skelett und Knochenerkrankungen.
Sport an Berufsschulen
Wunderlich fordert jetzt, dass Sport auch an Berufsschulen nicht vernachlässigt werden darf. Anstatt das Sportangebot zu kürzen oder ganz zu streichen, soll der Bewegung Priorität eingeräumt werden. Betriebe sollen demnach Arbeitszeit für den Sport zur Verfügung stellen. Außerdem muss bei jedem Einzelnen ein Bewusstsein für Bewegung und eine gesunde Ernährung geschaffen werden. Nur wer weiß wie, kann auch abnehmen. Wunderlich sagt: „Die Leute sind ja nicht absichtlich unbeweglich, falsch- oder überernährt. Es ist kaum zu glauben, wie viel Unwissenheit auch bei jungen Erwachsenen herrscht.“
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